Richtig kündigen? So unterstützt du Mitarbeitende im Layoff-Prozess

11 Jul ‘22
5min
Überprüft von Psycholog*in Marina Pacini
Two cartoon figures in the office, one is disappointed

Die Kündigungswellen in Tech-Unternehmen und Start-ups haben mittlerweile Europa erreicht. In Zeiten der Inflation, Rezession und dem Ukraine-Krieg zögern Investor*innen die nächste Finanzierungsrunde zu unterstützen. Für Unternehmen heißt das oft: abwarten, Kosten einsparen und Mitarbeiter*innen entlassen. 

In diesem Artikel erfährst du, wie du als Manager*in den schwierigen Layoff-Prozess überstehst und wie du Mitarbeitende, die das Unternehmen verlassen müssen, mit Hilfe von OpenUp optimal unterstützen kannst. 

 

Warum ist mentale Unterstützung nach der Kündigung wichtig?

 

 Eine Kündigung hat große Auswirkungen auf Arbeitnehmer*innen. Während der Großen Depression konnte nach Verlust des Arbeitsplatzes ein Anstieg der depressiven Symptome um 3,4 % in Europa verzeichnet werden. Eine unerwartete Firmenschließung erhöhte diese Depressionswerte sogar.

 

Neben dem Einkommen verlieren Mitarbeiter*innen durch eine Kündigung nämlich auch Zeitstruktur, Sinngebung, sozialen Kontakt, Status und tägliche Beschäftigung.

 

Das sind laut Wissenschaftlerin Marie Jahoda die fünf versteckten Funktionen der Erwerbstätigkeit, die auch an der deutschen Bevölkerung getestet wurden. 

 

Während du als Manager*in oft schon länger von im Raum stehenden Kündigungen weißt, ziehst du Mitarbeiter*innen im Kündigungsgespräch plötzlich den Boden unter den Füßen weg.

 

Daher ist es besonders wichtig, sich gut auf dieses Gespräch vorzubereiten und besonders empathisch mit den Gefühlen deiner Teammitglieder umzugehen.

 

Wie du mit einer schwierigen Situation wie dieser umgehst, beeinflusst unter Umständen auch dein weiteres Arbeitsleben. Schließlich kann es gut sein, dass du ehemalige Mitarbeiter*innen in anderen Unternehmen wieder antriffst oder sie Talente kennen, die du später gerne für dein Team rekrutieren willst.

 

Eines voraus: Mit einem Layoff-Prozess gewinnst du als HR-Fachkraft oder Manager*in keine Sympathiewerte. Aber du kannst dafür sorgen, dass deine Mitarbeitenden während des gesamten Prozesses kostenlos und unbegrenzt psychologische Unterstützung bekommen. 

 

Was du jetzt bereits tun kannst? Diese 5 Tipps von Psychologin Marina Pacini berücksichtigen, die dir dabei helfen, das Kündigungsgespräch zu meistern:

 

1. Bereite dich gut vor

 

Auch wenn bei einigen Layoffs nicht viel Zeit bleibt, um eine Kündigung an Mitarbeiter*innen zu kommunizieren, solltest du das Gespräch immer gut vorbereiten und eine gewisse Erwartungshaltung daran haben.

 

„Beim Kündigungsgespräch werden Gefühle verletzt und Mitarbeiter*innen erleben negative Emotionen sowie Unsicherheit”, sagt Psychologin Marina Pacini.

 

Auch von einer Führungskraft kann daher nicht erwartet werden, dass eine so einschneidende Nachricht ohne emotionale Auswirkungen kommuniziert werden kann – selbst wenn diese mit der getroffenen Entscheidung gar nichts zu tun hat.

 

Dennoch gibt es einige Punkte, die du als Manager*im Kündigungsgespräch beachten kannst. „Formuliere deine Botschaft klar und teile dem Teammitglied mit, wie du dich dabei fühlst”, empfiehlt Pacini. 

 

“Du kannst das Teammitglied auch fragen, wie es ihm*ihr geht, welche Fragen oder Wünsche es noch gibt und vor allem Zeit zum Verarbeiten dieser Nachricht anbieten.”

 

Wichtig dabei ist die Art, wie diese Nachricht vermittelt wird. „Wähle immer einen ruhigen und einfühlsamen Tonfall”, empfiehlt Pacini.

 

2. Kommuniziere offen und transparent

 

Schwierige Botschaften wie diese solltest du am besten persönlich übermitteln und nicht via Videocall. Am besten buchst du dafür einen Meeting-Raum, der es Mitarbeiter*innen erlaubt, kurz inne zu halten und die Entscheidung zu reflektieren. 

 

„Das Beste, was ein*e Manager*in tun kann, ist, eine kurze Pause einzulegen, sodass das Teammitglied die eigene Meinung dazu äußern kann”, sagt Pacini. 

 

Manager*innen können zum Beispiel einfach den Raum verlassen und dann zurückkommen. „Frag direkt, ob der*die Mitarbeiter*in einen privaten Moment haben und dann das Gespräch fortsetzen will. 

 

Stelle Fragen wie: Wie kann ich helfen? Wie geht es dir?” Das kann dabei helfen, das Teammitglied zu beruhigen und zu ermutigen.

 

3. Bleibe objektiv und stelle das Vertrauen wieder her

 

Sobald die betroffenen Mitarbeiter*innen Bescheid wissen, solltest du die Entscheidung an das komplette Team kommunizieren. Mit einem ruhigen und einfühlsamen Ton kannst du diese Entscheidung als Manager*in objektiv kommunizieren.

 

 „Die Erklärung, dass es sich um eine Unternehmensentscheidung handelt, kann die Kolleg*innen daran erinnern, dass es sich nicht um eine persönliche Angelegenheit handelt”, sagt Pacini.

 

Kolleg*innen der betroffenen Mitarbeiter*innen werden sich durch Kündigungen dennoch unsicher fühlen und sich fragen, ob ihnen dasselbe passieren könnte. Adressiere diese Ängste direkt, indem du ausdrücklich mitteilst, dass du du eine sichere Atmosphäre im Team wiederherstellen möchtest. 

 

„Ungewissheit ist eine der Hauptursachen für mangelndes Vertrauen und fehlende Motivation”, sagt Psychologin Pacini und erklärt weiter: „Du kannst wöchentliche und monatliche Teammeetings oder 1:1 Meetings einberufen, um persönliche Gefühle oder Unsicherheiten zu besprechen.”

 

Mitarbeiter*innen, die im Unternehmen bleiben, fühlen sich außerdem sicherer, wenn sie immer auf dem Laufenden sind, was Unternehmensentscheidungen oder neue Richtlinien betrifft. 

 

4. Biete deine Unterstützung an

 

Eine Kündigung ist kein Event, sondern ein längerer Prozess. Denn nach dem Gespräch beginnt das Problem für Mitarbeiter*innen erst. Sie müssen sich neu orientieren, ihre Bewerbungsunterlagen neu gestalten und sich organisieren. 

 

Je nachdem, wie freundschaftlich die Atmosphäre in deinem Unternehmen ist, kannst du als Manager*in auch nach einer Kündigung einen bedeutenden Unterschied machen. 

 

So kannst du Mitarbeiter*innen nach der Kündigung unterstützen: 

 

  • Schreibe ihnen ein persönliches E-Mail (oder eine WhatsApp Nachricht) und teile dabei empathisch mit, dass du für sie da bist.
  • Biete ihnen an, in deinem Netzwerk für sie Ausschau zu halten & ihren CV mit relevanten Kontakten zu teilen.
  • Biete ihnen an, positive Referenzen für ihr LinkedIn-Profil zu schreiben oder erkundige dich, auf welche Punkte Mitarbeiter*innen gerne im Arbeitszeugnis fokussieren wollen.
  • Ermögliche ihnen Zugang zu einer professionellen Beratungsstelle mit zertifizierten Psycholog*innen für ihre mentalen Herausforderungen.

  

5. Lerne mit deinen Schuldgefühlen umzugehen

 

Egal, ob es das erste Mal in deinem Berufsleben ist, dass du jemanden kündigen musstest oder du eine gute Beziehung zum jeweiligen Teammitglied hattest: Eine Kündigung ist keine einfache Angelegenheit. 

 

Gerade bei Layoffs kann es sein, dass du dich als Manager*in schuldig fühlst – denn mit Leistung hat das oft nicht viel zu tun. „Erinnere dich daran, dass es keine persönliche Entscheidung war und dass es große Layoffs schon immer gegeben hat”, sagt Marina Pacini. 

 

„Objektivität im Kündigungsprozess kann dabei helfen, um Schuldgefühle zu rationalisieren.” Wenn die Schuldgefühle andauern, kannst du auch mit einer nahestehenden Person oder Psycholog*innen darüber sprechen.

 

Bei einer Kündigung sind immer Gefühle im Spiel. Niemand kann von dir als Manager*in oder HR-Fachkraft erwarten, dass du das ohne emotionale Reaktionen über die Bühne bringst. 

 

Mit OpenUp kannst du auch Manager*innen in deinem Unternehmen psychologische Unterstützung anbieten und so dafür sorgen, dass deine Organisation diesen schwierigen Prozess gut übersteht.