Warum auch negative Gefühle und Gedanken gut für dich sind

14 Mrz ‘22
5 min
OpenUp Redaktion
vrouw staat in de storm van negatieve gedachten
Jeder fühlt sich manchmal wütend, verängstigt, traurig, frustriert oder schuldig. Jedoch sind es meistens Emotionen, die wir so schnell wie möglich loswerden möchten. Warum kämpfen wir mit ihnen und wie können wir sie für uns nutzen?

 

Es gibt kein Leben ohne unbequeme oder herausfordernde Gedanken und Gefühle, so sehr wir uns das auch wünschen mögen. Doch diese Gedanken und Gefühle sind nicht unbedingt schlecht für uns. In einigen Fällen können wir sie sogar von Vortel für uns sein.

 

Sich wohlfühlen als soziale Norm

 

“Wie geht es dir? Ja, gut! Und dir?“. Das ist oft unsere Reaktion, auch wenn wir uns gar nicht so gut fühlen. Warum also sagen wir das standardgemäß?

 

„Die Gesellschaft lehrt uns, dass wir uns immer ‚gut‘ fühlen sollen“, erklärt Pia Linden, Psychologin bei OpenUp. „Wenn negative Gedanken oder Gefühle auftauchen, lautet der Rat oft, sich abzulenken, indem man etwas Spaßiges tut, sich etwas gönnt oder sich ‚nur‘ auf das Positive konzentriert.”

 

Dies sind natürlich gut gemeinte Vorschläge, die aber nicht immer die gewünschte Wirkung haben. Es kann sogar schädlich sein, wie in dem Buch „Toxic Positivity“ der amerikanischen Psychotherapeutin Whitney Goodman zu lesen ist. Indem wir immer positiv an alles herangehen, ignorieren wir unsere Gefühle. Wir werden ermutigt, unsere Gefühle zu unterdrücken.

 

Das sieht Pia auch so: „Wir lernen, oft schon von Kindesbeinen an, unsere negativen Gedanken und Gefühle zu verdrängen, sie zu ignorieren oder uns mit anderen Dingen abzulenken. Aber unangenehme Gedanken und Gefühle sind ein unvermeidlicher Teil des Lebens“.

 

„Es ist normal, dass man sich nicht immer glücklich und gut fühlt. Wenn man sich schlecht fühlt, bedeutet das nicht unbedingt, dass etwas nicht in Ordnung ist.”

 

Das Leben ist nicht immer eine Party

 

Niemand ist rund um die Uhr glücklich, auch wenn es nach außen hin so scheint. Jeder Mensch hat mit Herausforderungen und schwierigen Zeiten zu kämpfen. Wenn es in deiner äußeren Welt turbulent ist, spiegelt sich das automatisch auch in deiner inneren Welt wider. Alles, was du erlebst, hat Auswirkungen auf deine Gedanken und Gefühle.

 

„Das ist völlig normal“, sagt Pia. „Es ist in Ordnung, sich manchmal traurig, niedergeschlagen, enttäuscht oder verängstigt zu fühlen, vor allem wenn es einen klaren Auslöser gibt. Das bedeutet nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt, das ist einfach der Lauf des Lebens. Wenn man eine schwierige Phase oder Herausforderung überstanden hat, sieht das Leben natürlich wieder besser aus.”

 

Nutze deine Gefühle für dich selbst

 

Aber manchmal geschieht dies nicht automatisch. „Herausfordernde Gedanken und Gefühle können auch dann noch lange anhalten, wenn alle Hindernisse überwunden sind und man keinen eindeutigen Grund dafür finden kann. Auch dann muss man nicht vor ihnen weglaufen, und man kann diese Gefühle auch für sich nutzen.”

 

„Negative Emotionen können dir zeigen, wo in deinem Leben Veränderungen anstehen.“

 

Nutze deine Gefühle als Wegweiser

 

Wir wollen uns immer gut fühlen, aber es sind die schwierigen Zeiten – und die damit verbundenen Gefühle -, die uns im Leben voranbringen. Wenn du dich weniger gut fühlst, kann dies ein guter Indikator dafür sein, dass eine Veränderung notwendig ist und du etwas dagegen tun solltest. Damit du letztendlich dein Leben mit mehr Zufriedenheit leben kannst, so wie es dir gefällt.

 

Aber wo fängt man an, wenn man etwas in seinem Leben ändern will? „Der Wandel kann von innen oder von außen kommen“, sagt Pia.

 

„Du kannst nach außen schauen, indem du die Situation verändern oder dich von ihr distanzieren kannst, soweit dies natürlich möglich ist. Du kannst es aber auch innerlich angehen, indem du deine Perspektive auf die Situation änderst, die Situation akzeptierst und den Kampf aufgibst“.

 

Weiterlesen: Wie man Stress und Angst in etwas Positives verwandelt

 

Umgang mit Gefühlen und Gedanken

 

Sich zu ändern oder zu akzeptieren ist leichter gesagt als getan. Was kannst du in der Praxis tun, um mit deinen Gefühlen und Gedanken umzugehen?

 

1. Lasse deine Gefühle zu

 

Schaffe Raum für negative Gefühle. Versuche, deine Gefühle zu beobachten, ohne dich mit ihnen zu identifizieren. Konzentriere dich auf die Empfindungen in deinem Körper, die diese Gefühle mit sich bringen.

 

Benenne, was du erlebst, zum Beispiel: „Ich fühle gerade Angst“, statt „Ich bin ängstlich“. Und versuche zu akzeptieren, dass die Gefühle (für eine Weile) da sind, als unvermeidlicher Teil des Lebens.

 

2. Denke über deine Gefühle nach

 

Überlege, woher diese Gedanken oder Gefühle kommen. Versuche, ein wenig Abstand zu gewinnen, damit du nicht mehr in sie hineingesaugt wirst. Woher kommen deine Gefühle und was kann dir die Situation sagen oder lehren? Mache dir auch klar, dass Gefühle kommen und gehen. Wie intensiv sie sich auch manchmal fühlen mögen, „auch das wird vorübergehen“.

 

3. Teile deine Gefühle

 

Viele Menschen behalten ihre negativen Gedanken und Gefühle für sich, was diese sogar noch verstärken kann. Teile deine Gefühle mit, denn Teilen tut gut. Suche dir jemanden, dem du vertraust, der dir Halt gibt und einen sicheren Ort, an dem du deine Gefühle aussprechen kannst.

 

Es ist auch schön, seine Gedanken zu Papier zu bringen, sodass man seine Gefühle buchstäblich niederschreibt. Was auch immer du tust, lasse es nicht nur in deinem Kopf bleiben.

 

4. Erkenne deine Bedürfnisse

 

Überlege, was du jetzt, in diesem Moment, brauchst. Sei nett zu dir selbst, besonders wenn du eine schwierige Zeit durchmachst, eine gute Dosis Selbstmitgefühl ist dabei nicht unnötig. Würdest du lieber zu Hause bleiben und etwas Zeit allein verbringen oder mit Freunden ausgehen?

 

Letzteres sollte dich jedoch nicht ablenken, sondern dir helfen, deine Gefühle zu erfassen, sie zu verstehen und zu verarbeiten. Was auch immer du tust, Hauptsache, es ist von Vorteil. Selbstfürsorge ist hierbei das Schlüsselwort.

 

5. Verarbeite deine Gefühle

 

Es gibt viele Möglichkeiten, Gefühle zu verarbeiten. Sei kreativ (zeichnen, malen, schreiben, singen…!) oder treibe Sport, gehe nach draußen, in die Natur, erzähle davon, nehme dir Zeit für dich selbst…

 

Das Erleben negativer Gefühle kann auch eine Einladung sein, mit verschiedenen Methoden und Ausdrucksformen zu experimentieren. Auf diese Weise kannst du deinen Gefühlen näher kommen und erfahren, was sie in deinem Leben wirklich repräsentieren.

 

6. Konzentriere dich auf deine Widerstandsfähigkeit

 

Oft sind wir stärker und widerstandsfähiger, als wir denken. Denke an frühere Herausforderungen oder schwierige Zeiten zurück, die du überwunden hast. Was hat dir damals geholfen? Vertraue darauf, dass du da wieder herauskommen wirst.

 

Hilfe bei deinen Emotionen

 

Wenn du es selbst nicht schaffst, ist es in Ordnung, sich Hilfe zu suchen. Unabhängig davon, wie du dich fühlst, was passiert ist und wie lange oder kurz die Situation schon andauert.

 

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