Wie führt man Gespräche über psychische Gesundheit am Arbeitsplatz?

17 Jan ‘22
3 min
OpenUp Redaktion
illustratie van twee mensen helpen die elkaar omhoog of verder helpen

Wir verbringen die meiste Zeit unseres Tages bei der Arbeit. Und obwohl wir am liebsten jeden Tag 100% geben würden, passieren manchmal Dinge, durch die es bei der Arbeit für den Moment einfach nicht so gut läuft. Dem kann sich keiner entziehen, schließlich sind wir alle nur Menschen. Trotzdem wollen wir unsere psychischen Probleme am liebsten für uns behalten. Dabei ist es wichtig, auch bei der Arbeit darüber sprechen zu können, was einen gerade beschäftigt.

 

Warum ist das so? Wie und mit wem kannst du darüber sprechen? Und wann sagst du vielleicht besser nichts? Psychologin Madelief Falkmann erklärt es uns.

 

„Probleme für sich zu behalten, statt darüber zu sprechen, kann zu mehr Stress und negativen Gefühlen führen.“

 

Warum ist es so wichtig, offen über psychische Gesundheit sprechen zu können?

 

Madelief: “Am Arbeitsplatz über psychische Gesundheit sprechen zu können, schafft Transparenz. Wenn du dich gerade nicht wohl fühlst, kann es sehr hilfreich sein, dies mit einem Kollegen oder deinem Vorgesetzen zu besprechen. Dann kann Rücksicht auf deine Situation und deine Arbeitsbelastung genommen werden.

 

Vielleicht gibt es die Möglichkeit, Anpassungen vorzunehmen, die dir die Arbeit angenehmer machen. Probleme für sich zu behalten, statt darüber zu sprechen, kann zu mehr Stress und negativen Gefühlen führen.”

 

Allerdings ist das nicht für jeden so einfach.

 

“Stimmt und es kann auch schwierig sein. Psychische Gesundheit wird (immer noch) als Tabuthema behandelt, obwohl es ja wirklich jeden betrifft. Wir alle müssen uns um unsere psychische Gesundheit kümmern, genauso wie wir uns um unsere körperliche Gesundheit kümmern.

 

Wir alle kennen schwierige Situationen, Zeiten und Emotionen. Das gehört zum Leben dazu.

 

In unserer heutigen Gesellschaft haben wir ein Händchen dafür, ständig beschäftigt zu sein und alles unter einen Hut bringen zu wollen, wobei das eigentlich niemandem immer gelingt. Wir alle kennen schwierige Situationen, Zeiten und Emotionen.

 

Indem du dich anderen in Bezug auf diese Themen öffnest, zeigst du deine verletzliche Seite und ermutigst andere dazu, bei Bedarf dasselbe zu tun. Es geht darum, zu akzeptieren, dass es einem auch mal weniger gut gehen kann, das gehört zum Leben dazu.”

 

Wie schafft man es, den ersten Schritt zu machen und psychische Probleme zu thematisieren?

 

“Stelle auf jeden Fall sicher, dass du das Gespräch gut vorbereitest. Denk darüber nach, was du vermitteln möchtest und mit welchem Ziel. Wann ist es für dich ein erfolgreiches Gespräch?

 

Es kann hilfreich sein, diese Punkte für dich selbst aufzuschreiben und zum Beispiel mit einem Freund oder einer Freundin vorzubereiten. Verwende diese Vorbereitung als Anhaltspunkt, wenn du dich vor dem Gespräch angespannt fühlst. Du kannst auch gerne vor Beginn des Gesprächs darauf hinweisen, dass es dir schwerfällt den Einstieg zu finden und du dir deshalb einige Punkte aufgeschrieben hast.”

 

Wann ist ein guter Zeitpunkt, ein solches Gespräch zu beginnen und mit wem?

 

“Zunächst ist es wichtig, dass du dich mit der Person, der du von deinen Problemen erzählen möchtest, wohlfühlst. Außerdem empfiehlt es sich, zu überlegen, für wen es wichtig wäre, zu wissen, was los ist.

 

Es kann sein, dass du dich im Gespräch mit einem Kollegen wohler fühlst, aber dass dein Vorgesetzter trotzdem wissen muss, was vor sich geht. Sprich in diesem Fall erst mit deinem Kollegen und überlege, ob du ihn vielleicht als Unterstützung in das Gespräch mit deinem Vorgesetzten mitnehmen kannst.

 

Wenn du merkst, dass deine psychische Gesundheit Auswirkungen auf deine Arbeit hat, empfiehlt es sich auf jeden Fall das Gespräch zu suchen. Aber auch wenn deine Arbeit nicht beeinträchtigt wird, kann es hilfreich sein, darüber zu sprechen.”

 

Frage dich: ‘Wenn ich darüber spreche, habe ich dann weniger Stress?’

 

Ist es vielleicht auch manchmal besser, nichts zu sagen?

 

“Es ist auf jeden Fall wichtig, dass du der Person, der du von deinen Problemen erzählen möchtest, genügend Vertrauen entgegenbringst und dich ‚sicher‘ genug fühlst, dich zu öffnen und von deiner verletzlichen Seite zu zeigen. Außerdem ist es zwingend erforderlich, dass du dich in einem psychologisch sicheren Arbeitsumfeld befindest.

 

Dies ist der Fall, wenn in deinem Betrieb alle Gespräche vertraulich geführt werden können und du dich wohl genug fühlst, über deine Probleme zu sprechen.

 

Evelien Brouwers, Professorin für Psychische Gesundheit und Arbeit, hat Untersuchungen zu psychischen Problemen bei Angestellten durchgeführt und sie empfiehlt, sich selbst zwei Fragen zu stellen, bevor man beschließt, sich zu öffnen.

 

Die erste Frage lautet: ‘Haben meine psychischen Probleme Auswirkungen auf meine Arbeit?’ Und die zweite: ‘Wenn ich darüber spreche: habe ich dann weniger Stress?’ Wenn die Antwort auf beide Fragen ‚Nein‘ ist, dann ist es besser, sich zurückzuhalten, denn dann besteht auch keine Chance auf negative Konsequenzen.“

 

Weiterlesen: Wann nimmst du dir einen Tag für mentale Gesundheit frei (und wie machst du das?)

 

Was tun, wenn du siehst, dass es einem Kollegen nicht so gut geht und er Hilfe benötigt?

 

“Wenn du merkst, dass sich jemand anders verhält oder anders reagiert als normal, versuche dann in einem persönlichen Gespräch zu erfragen, wie es ihm geht und ob du vielleicht etwas für ihn tun kannst.

 

Braucht diese Person etwas, bei dem du helfen kannst? Mache deutlich, dass du ein offenes Ohr hast und die Person jederzeit zu dir kommen kann, sollte das Bedürfnis bestehen. Dann kann die Person für sich selbst entscheiden, ob sie das Gespräch sucht oder nicht.”

 

Was tun, wenn du merkst, dass mehr Hilfe benötigt wird?

 

“Auch in diesem Fall kannst du sagen, dass du gerne deine Unterstützung anbietest, zum Beispiel bei der Suche nach anderen Hilfsangeboten. Du kannst erklären, welche Wege es dafür gibt, zum Beispiel über den Betriebsarzt, den Hausarzt oder einen Psychologen.

 

Am wichtigsten ist es jedoch, ein offenes Ohr zu haben, nicht zu urteilen und mitzudenken, welche Hilfsangebote sinnvoll sein können und an wen sich die Person wenden kann. Das macht oft schon einen großen Unterschied.”

Hast du psychische Probleme, über die du gerne mit jemandem sprechen möchtest? Ein Gespräch mit einem Psychologen kann helfen. Buche ein unverbindliches Erstgespräch mit einem unserer Psychologen. Wir sind immer für dich da, egal welche Fragen du hast.