Warum du enge Freundschaften brauchst (und wie du sie aufbaust)

24 Jan ‘22
3 min
OpenUp Redaktion
illustratie van twee meiden die een bijzondere vriendschap hebben

Bedeutungsvolle und enge Freundschaften sind wichtig für uns. Sie tragen in vielerlei Hinsicht zu unserem Wohlbefinden bei. Aber warum ist es dann manchmal so verdammt schwer, eine gute Freundschaft mit jemandem zu schließen? Oder noch schwieriger: diese auch aufrechtzuerhalten. Der Sozialneurowissenschaftler John Cacioppo ist der Meinung, dass genau das der Grund ist, lesen wir in der The New York Times: enge Freundschaften sind wichtig für uns, gerade weil sie so schwierig zu schließen sind.

 

Wie sieht das genau aus und wie baut man eine ‚echte‘ Freundschaft mit jemandem auf? Psychologin Eva Rüger erzählt es uns.

 

Warum sind (enge) Freundschaften so wichtig

 

Freundschaft ist etwas Besonderes. Eine tiefe Freundschaft mit jemandem kann im Leben sehr wertvoll sein und trägt zu allen möglichen Aspekten unseres psychischen Wohlbefindens bei.

 

Eva erzählt: „Freundschaften schaffen ein Gefühl der Verbundenheit und der sozialen Unterstützung. Du hast jemanden, mit dem du über deine Probleme reden und deine Erfolge feiern kannst. Sie tragen zu einem Gefühl der Sinnhaftigkeit und des Glücks bei, zum Beispiel durch tiefgehende Gespräche zwischen euch oder durch Erinnerungen, die ihr gemeinsam macht.“

 

Aber das ist noch nicht alles. „Freundschaften helfen uns dabei, besser mit Stress umzugehen, weil wir bei unseren Freunden Dampf ablassen können und die nötige Ablenkung finden. Außerdem helfen sie uns im Umgang mit wichtigen Lebensereignissen und beugen Gefühlen der Einsamkeit vor.“

 

Aber warum ist es dann so schwer Freundschaften aufzubauen?

 

Eine ganze Menge Vorteile also, aber warum kann es uns dann so schwerfallen, eine tiefe Verbindung mit einer anderen Person einzugehen? John Cacioppo hat sich auf das Thema Einsamkeit spezialisiert und schreibt im The Atlantic, dass dies unter anderem eine evolutionäre Ursache hat.

 

Der Neurowissenschaftler erklärt, dass es für unsere Vorfahren wichtiger war, einem Feind aus dem Weg zu gehen als Freundschaften zu schließen. Jemand, dem man nicht vertraute, der sich aber letztlich als guter Mensch herausstellte, war ein netter Bonus. Aber jemanden als Freund anzusehen, der sich dann als Betrüger herausstellte, konnte einem das Leben kosten.

 

Das ist zum Glück heute anders, aber aus evolutionärer Sicht haben wir noch stets die Neigung, nicht allzu schnell Freundschaften zu schließen. Dafür muss man wirklich sein Bestes tun.

 

Was macht eine enge Freundschaft aus?

 

Der Aufbau einer tiefen oder besonderen Freundschaft mit jemandem, beginnt damit, zu wissen, was eine solche Freundschaft genau ausmacht. Und das ist etwas sehr Persönliches, erklärt Eva. „Die Werte, die man in einer Freundschaft als wichtig erachtet, sind von Mensch zu Mensch verschieden. Für den einen ist es wichtig, gemeinsam Spaß zu haben, der andere findet mehr Sinn in einem tiefgehenden Gespräch.“

 

Evas Tipp? „Denk über deine Freundschaften nach. Was ist dir an einem Freund wichtig? Was sorgt dafür, dass du dich mit jemandem verbunden fühlst und wann fühlst du dich so?“

 

Überlege auch, inwiefern deine Werte mit denen des anderen übereinstimmen. Findet ihr dieselben Dinge im Leben wichtig? Und wie wirkt sich das auf eure Verbundenheit aus? Der Artikel So setzt du dich für das ein, was dir wichtig ist (und lernst dich besser kennen) kann dir dabei behilflich sein.

 

Wie sorgst du für mehr Tiefgang oder Bedeutung?

 

Eine enge Freundschaft ist nichts, was einfach so passiert, sondern etwas, um das du dich selbst kümmern musst. Laut Eva gibt es zwei Methoden, eine enge Freundschaft aufzubauen. Einerseits durch Offenheit dem anderen gegenüber und andererseits durch Zuhören.

 

Sei offen

 

Eva: „Gedanken, Gefühle oder Herausforderungen – sowohl positive als auch negative – miteinander zu besprechen, sorgt dafür, dass ihr mehr Verbundenheit empfindet und nimmt gleichzeitig eine Last von deinen Schultern. Bestimmte Dinge musst du nicht mehr alleine mit dir herumtragen und das ist eine Erleichterung. Außerdem hilft es dir, dich persönlich besser zu fühlen, weil du die Dinge, die dich beschäftigen, nicht mehr für dich behalten musst.

 

Und trau dich deine Emotionen zu zeigen, sagt Eva. „Das macht es dem anderen möglich, sich in dich hineinzuversetzen und hilft dabei, sich auf einer tieferen Ebene kennenzulernen.“

 

Fällt es dir schwer, dich zu öffnen? Überlege dir, was dich davon abhält, dich zu öffnen, über was du gerne sprechen würdest und wie du dies tun würdest. Das Programm ‚How to open up‘ kann dir dabei behilflich sein.

 

“We think about relationships as things that happen to us, but the truth is that we make them happen,” Sue Johnson

 

Höre zu

 

Umgekehrt ist es auch wichtig, für deinen Freund da zu sein, zu sehen, wie es bei ihm läuft und zuzuhören, wenn der andere es braucht. Durch Empathie schaffst du mehr Verbundenheit und Tiefgang.

 

„Wenn du zuhörst, versuche dann auch wirklich zuzuhören und zu verstehen, statt sofort zu antworten. Oft neigen wir dazu, sofort Ratschläge geben zu wollen oder eigene Erfahrungen zu teilen, aber manchmal will man auch einfach nur gehört und verstanden werden“, meint Eva.

 

Bist du dir nicht sicher, was der andere in diesem Moment gerade braucht? „Fragt ihn! Sag einfach: Wsas brauchst du gerade? Brauchst du einen Rat oder willst du Verständnis und dir einfach mal Luft machen? „, sagt die Psychologin. Ein kleiner Aufwand mit einer großen Wirkung.

 

Aber achte dabei auch gut auf dich selbst, warnt Eva. „Wenn man wirklich für den anderen da sein möchte, ist es wichtig, auch mit sich selbst im Gleichgewicht zu sein und sich gut zu fühlen. Wenn du gerade nicht den Kopf dafür hast, dem anderen zuzuhören, sag das dann auch ehrlich. Sag zum Beispiel, dass du gerade viel um die Ohren hast und frage, ob es vielleicht in Ordnung wäre, morgen zu sprechen.“

 

Melde dich

 

Und vergiss nicht: es ist absolut normal, wenn man manchmal eine Zeit lang nicht mit seinen Freunden spricht. Eva: „Wir haben so viele Dinge im Kopf und so viele Prioritäten im täglichen Leben, dass jeder Verständnis dafür hat, wenn der Kontakt mal etwas weniger häufig ist. Aber du solltest vor allem keine Angst haben, wieder Kontakt mit den Personen aufzunehmen, die dir wichtig sind.“

 

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